Warum Speedtest von der realen Geschwindigkeit abweicht
Ein Speedtest kann deutlich von der Geschwindigkeit abweichen, die beim Surfen, Streamen oder Herunterladen tatsächlich spürbar ist. Gründe sind unter anderem WLAN-Störungen, ein ausgelasteter Router, parallele Datenübertragungen, die Entfernung zum Testserver oder eine hohe Auslastung beim Anbieter. Der Artikel erklärt, wie Download, Upload und Latenz richtig eingeordnet werden, welche Vergleichsmessungen aussagekräftig sind und mit welchen praktischen Maßnahmen sich unzuverlässige Ergebnisse vermeiden lassen.
Was bedeutet eine Abweichung beim Speedtest?
Ein Speedtest misst die Verbindung zwischen Ihrem Gerät, dem Testserver und dem Netz des Anbieters zu einem bestimmten Zeitpunkt. Der angezeigte Download- oder Upload-Wert ist deshalb eine Momentaufnahme und nicht automatisch die Geschwindigkeit jeder einzelnen Anwendung. Beim Vergleich mit einem Download im Browser muss außerdem zwischen Megabit pro Sekunde und Megabyte pro Sekunde unterschieden werden. Acht Megabit pro Sekunde entsprechen ungefähr einem Megabyte pro Sekunde.
Eine gewisse Differenz zwischen Messergebnis und Alltag ist normal. Große Abweichungen sollten jedoch systematisch geprüft werden, insbesondere wenn mehrere Messungen zu unterschiedlichen Tageszeiten denselben Fehler zeigen.
WLAN ist häufig der wichtigste Einflussfaktor
Eine Messung über WLAN kann langsamer ausfallen als die Leitung selbst. Wände, größere Entfernungen zum Router, benachbarte Funknetze und viele verbundene Geräte verringern die verfügbare Datenrate. Auch ein älteres WLAN-Modul im Notebook oder Smartphone kann die Messung begrenzen.
Prüfen Sie die Verbindung deshalb zusätzlich mit einem Netzwerkkabel direkt am Router. Wenn der kabelgebundene Test deutlich schneller ist, liegt die Ursache wahrscheinlich im WLAN und nicht bei Glasfaser, DSL oder Kabelanschluss.
Router, Endgerät und Hausnetz begrenzen die Messung
Ein Router kann bei vielen gleichzeitigen Verbindungen, aktivierten Sicherheitsfunktionen oder veralteter Firmware an seine Leistungsgrenze kommen. Ähnliche Einschränkungen entstehen durch ältere Netzwerkadapter, Energiesparmodi oder Hintergrundsoftware auf dem getesteten Gerät.
Führen Sie den Test mit einem aktuellen Computer durch, schließen Sie unnötige Programme und aktualisieren Sie die Router-Firmware. Während der Messung sollten keine großen Downloads, Cloud-Synchronisationen oder Videostreams im Hausnetz laufen.
Parallele Nutzung verändert Download und Upload
Wenn andere Personen im Haushalt gleichzeitig streamen, spielen, Dateien hochladen oder Backups ausführen, teilen sich alle Anwendungen die verfügbare Bandbreite. Ein ausgelasteter Upload kann dabei auch den Download und die Latenz beeinträchtigen.
Wiederholen Sie die Messung zu einem Zeitpunkt, an dem das Netz möglichst frei ist. Kontrollieren Sie außerdem Geräte mit automatischen Updates und Cloud-Diensten. Eine Abweichung nur während starker Nutzung ist kein sicherer Hinweis auf eine Störung des Anbieters.
Testserver und Netzweg beeinflussen das Ergebnis
Der Speedtest hängt vom gewählten Server ab. Ein geografisch weit entfernter oder stark ausgelasteter Server kann niedrigere Werte liefern. Auch die Route durch mehrere Netze kann zusätzliche Verzögerungen oder Engpässe verursachen.
Vergleichen Sie mehrere nahe gelegene Testserver und achten Sie darauf, ob die Ergebnisse ähnlich sind. Für eine belastbare Bewertung sollten Sie nicht nur einen einzelnen Test, sondern mehrere Messungen mit vergleichbaren Bedingungen dokumentieren.
Anbieter, Tageszeit und Netzauslastung
Bei DSL/Kabel-Anschlüssen kann die gemeinsame Nutzung regionaler Netzabschnitte zu Stoßzeiten die verfügbare Geschwindigkeit reduzieren. Auch bei Glasfaser können Übergabepunkte, der Zugang zum Testserver oder eine vorübergehende Störung die Werte beeinflussen.
Messen Sie morgens, nachmittags und abends über mehrere Tage. Wenn die Abweichung regelmäßig zu bestimmten Zeiten auftritt, sollten Sie die Messprotokolle an den Anbieter übermitteln. Einzelne niedrige Werte reichen dagegen meist nicht für eine verlässliche Diagnose.
Vertragliche Geschwindigkeit richtig einordnen
Die beworbene Geschwindigkeit eines Anschlusses ist nicht immer identisch mit dem Wert, den jedes Endgerät unter allen Bedingungen erreicht. Prüfen Sie, ob Ihr Vertrag zwischen maximaler, normaler und minimaler Geschwindigkeit unterscheidet. Relevant sind außerdem die Anschlussart, die verwendete Hardware und die Messmethode.
Vergleichen Sie das Ergebnis mit den Angaben Ihres Anbieters und bewerten Sie Download, Upload und Latenz getrennt. Eine hohe Download-Geschwindigkeit kann beispielsweise mit einem niedrigen Upload oder einer erhöhten Latenz einhergehen.
So prüfen Sie die tatsächliche Verbindung
- Verbinden Sie einen Computer per Netzwerkkabel direkt mit dem Router.
- Beenden Sie Downloads, Streams, VPN-Verbindungen und Cloud-Synchronisationen.
- Starten Sie den Router bei anhaltenden Problemen neu und prüfen Sie die Firmware.
- Führen Sie mehrere Tests mit unterschiedlichen Servern und zu verschiedenen Tageszeiten durch.
- Notieren Sie Datum, Uhrzeit, Download, Upload, Latenz und die verwendete Verbindung.
Für die Einordnung eines konkreten Downloads können Sie die angezeigte Datenrate mit der Dateigröße und der Übertragungsdauer vergleichen. Beachten Sie dabei, dass Serverleistung, Verschlüsselung und die Auslastung des jeweiligen Dienstes ebenfalls eine Rolle spielen.
Welche Maßnahmen verbessern die Messergebnisse?
- Nutzen Sie für die Prüfung ein Netzwerkkabel statt WLAN.
- Positionieren Sie den Router möglichst frei und zentral in der Wohnung.
- Verwenden Sie bei kompatiblen Geräten ein modernes WLAN-Band und aktuelle Netzwerkhardware.
- Reduzieren Sie während der Messung parallele Uploads und Downloads.
- Vergleichen Sie mehrere Testserver und wiederholen Sie die Messung.
- Prüfen Sie bei regelmäßig niedrigen Werten die Anschlussdaten beim Anbieter.
Wenn kabelgebundene Messungen über mehrere Tage deutlich unter den vertraglichen Erwartungen bleiben, wenden Sie sich mit den dokumentierten Ergebnissen an den Anbieter. Bei einzelnen Anwendungen kann die Ursache dagegen beim jeweiligen Server oder Dienst liegen. Weitere Hinweise zur Einordnung finden Sie auch in einem Leitfaden zum Testen der Internetgeschwindigkeit.
